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Warum Fechtclub?

Chronik TuF

Aus grauer Vorzeit

Es sei gleich an den Anfang gestellt: Heute kann niemand mehr eine Antwort geben, weshalb unser Turnverein auch den Namen „ Fechtclub“ führt. Jedenfalls hat er heute die Sportart Fechten nicht in seinem Übungsprogramm. Die Befragung alter Mitglieder und alter Dorfbewohner, mit der geklärt werden sollte, ob im Verein jemals die Fechtkunst ausgeübt worden ist, brachte weder ein positives noch ein negatives Ergebnis. Auch aus vorhandenen Vereinsakten, die 1901 beginnen, ist hierzu keine Aussage zu gewinnen. Ebenso liegen weder Aufzeichnungen noch Aussagen darüber vor, weshalb die Vereinsgründer im Jahre 1889 dem neu gegründeten Turnverein den Zweitnamen „Fechtclub“ gaben. Es dürfte daher nicht uninteressant sein, sich darüber einmal Gedanken zu machen und einen Klärungsversuch zu wagen.

Turnvater Friedrich Ludwig Jahn schrieb 1816 in seinem Buch über die Turnkunst: „Das Fechten ist eine wesentliche Hauptübung und zur vollständigen Turnbildung ganz unentbehrlich“. Damit steht fest, dass das Fechten von Anfang an als „Zweig des Turnens“ galt. Es wurde schon recht früh als Wettkampfart betrieben. Im Turnkreis Mittelrhein fand 1884 das erste Wettfechten beim 15. Kreisfest in Wiesbaden statt. Hatten unsere Vereinsgründer diese Aussage so ernst genommen?

Möglicherweise hatte man bei der Namensgebung ein Vorbild vor Augen. Es gab zu dieser Zeit Turn- und Fechtclubs in Frankfurt und Mainz und sicher auch noch in anderen Orten. Ein großer Teil der jungen Männer, die bei der Vereinsgründung dabei waren, arbeitete in Diez und Limburg und einer kam sogar „aus der Fremde“ zurück (von einem weit entfernten Arbeitsplatz oder von der Wanderschaft als Handwerksgeselle). Sie brachten neue Ideen in das Dorf. Sind diese Männer die
Initiatoren des Namens „Fechtclub“?

In der Zeit vor 1900 war in den Vereinssatzungen (damals „Grundgesetze“ genannt) der Vereinszweck sehr oft mit „Körperertüchtigung“ und/oder „Vorbildung zum Soldatendienst“ angegeben. Letzteres entsprach ganz dem Lebensbild der Deutschen des späten 19. Jahrhunderts. (Nicht von ungefähr hatte die Besatzungsmacht nach 1945 ganz besonders das Turnen verboten.) Die Jahn´sche Turnbewegung war von diesem Geiste beseelt. Und Fechten gehörte zum „Soldatenstand“. Sollte der Namensteil „Fechtclub“ vor diesem Hintergrund zu suchen sein?

1892 wurden im Inventarverzeichnis 3 Fechtdegen aufgenommen. Dieses Verzeichnis unterscheidet nicht nach Art und Verwendungszweck des inventarisierten Vereinseigentums. Im Jahre 1906 wurde es neu erstellt und nach verschiedenen Gesichtspunkten gegliedert; darin erscheinen 3 „Haurapiere“ (Fechtdegen) im Abschnitt „Turnhalle“. Die Aufstellung von 1914 dagegen bezeugt 3 Degen unter der Rubrik“ Musik“, zusammen mit Trommeln, Pfeifen, Fahne usw. Und 1927 wurden sie mit der Fahne unter „Vereinssymbole“ geführt.

Was kann man daraus schließen?

Erstens:
Man könnte davon ausgehen, dass es sich bei den Fechtdegen von Anfang an „nur“ um Vereinssymbole gehandelt hat. Wurden etwa die Fahnenbegleiter damit ausgestattet? Aber dazu hätte man wohl aber nur zwei Degen benötigt!

Zweitens:
Man hatte nach einer gewissen Zeit erkannt, dass aus dem Fechten nichts wird. Vielleicht fehlte es an einem geschulten Übungsleiter. Also stufte man die Degen als Vereinssymbole ein. Damit wäre eigentlich geklärt, dass Fechtübungen nie stattfanden. Die bei der Auswertung der alten Vereinsakten gemachten Erfahrungen machen es jedoch schwer, davon auszugehen, dass die vorgenannte Klassifizierung unter allen Umständen richtig ist. Weitere Eintragungen im Inventarverzeichnis eröffnen eine andere Möglichkeit der Beurteilung. Aufgeführt sind 1 Tambourstab, 2 Trommeln und 2 Querpfeifen. Dies kann doch wohl kaum die Ausstattung eines ganzen Spielmannszuges, der nachweislich bestand, gewesen sein! Für 2 Trommeln und 2 Pfeifen wird auch kein Tambourmajor benötigt! Es kommt der Verdacht auf, dass sich weitere Trommeln und Pfeifen in Privatbesitz befanden (was nicht ungewöhnlich gewesen wäre) und deshalb nicht im Vereinsinventar gezählt werden konnten. Sollte dies auch auf die Fechtdegen zutreffen?

Noch vor 1945 haben „mehrere“ Degen in der Werkstatt des Sattlermeisters Eduard Kohler an der Wand gehängt. Es ist schade, dass sie nicht mehr auffindbar sind!

Als nach 1945 nur allgemeine Sportvereine und keine Turnvereine zugelassen wurden und unser Verein vorübergehend seinen Namen änderte um aktiv werden zu können, kam es auch zu einer Debatte über die alte Namensführung. Schon damals setzte sich bei der großen Mehrheit der Mitglieder der Traditionsgedanke durch und entschied: Man sollte es bei dem Namen belassen, der nun schon weit über 100 Jahre Bestand hatte und unter dem der Verein durch turnerische und andere sportliche Leistungen bekannt wurden.

recherchiert von Wilhelm Kuhmann

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